Arnica

Ist eigentlich gegen alles ein Kraut gewachsen?

 

Ich möchte heute einmal sanft meinen therapeutischen Zeigefinger erheben. Und meinen Großmütterlichen auch.

Es dauert zwar noch ein wenig, aber mit fortschreitendem Jahr werde ich es wieder zunehmend mit ansehen und -hören müssen. Eigentlich ist es nur eine ganz normale, immer mal wieder vorkommende Unpässlichkeit - und ZACK! wird ein Arzneifläschchen gezückt, ein paar Globuli auf die Zunge ... schaden wird es ja auf alle Fälle nicht.

Aber nützt es denn was?!

 

Ich beleuchte diese meine Frage einmal an einer Beobachtung auf den Spielplätzen unserer Stadt. Manchmal bekomme ich es in der Praxis aber auch nur erzählt.

Kind spielt. Buddelt im Sand, schaukelt, klettert ... und fällt vielleicht irgendwo herunter. Verletzt sich ein bisschen, wobei auch immer.

Kind erschrocken. Schreit. Ein wenig Blut ... ein wenig blau ... Mutter erschrocken. Meistens ist es die Mutter. Vater ginge natürlich auch.

Und jetzt kommt das Kraut ins Spiel, bzw. die homöopathische Arznei Arnica montana.

Arnica montana für Verletzungsfolgen, für blaue Flecke etc. Ich glaube es ist die meistverkaufte homöopathische Arznei aller Zeiten. In Deutschland zumindest. Wird vielleicht noch von den Rescue-Remedy-Tropfen des Edward Bach getoppt. Die schmecken aber nicht so gut. Also jetzt werden dem Kind zur Prophylaxe oder wohl eher aus Fürsorge - Angst und Hilflosigkeit sind vielleicht auch ein Motiv - ein paar Kügelchen Arnica in den Mund gegeben. Eine begleitende, tröstende Umarmung täte es auch, heute macht man sowas jedoch zusätzlich mit Arnica. Verstehen Sie mich nicht falsch. Manchmal braucht ein Mensch Medizin. Und zwar genau dann, wenn er selber nicht in der Lage ist seine Wunden oder Kranheiten zu heilen. Aber erst dann!

Die Natur hat uns jedoch mit Selbstheilungskräften ausgestattet. Das ist ein total gut auf einander abgestimmtes System und funktioniert in ganz vielen Fällen. Oft kann man getrost erstmal wohlwollend abwarten.

Tun Sie das in dem beschriebenen Fall nicht und greifen gleich ein, vermitteln Sie zwei problematische Botschaften:

Eine Medikamentengabe schon bei Kleinigkeiten.
Trost durch Süßes - die Träger unserer homöopathischen Arzneien sind, wenn es Milchzuckerglobuli sind, süß - so süß wie Liebesperlen.

Was lernen unsere Kinder aus diesem Verhalten?

Sie lernen, dass man bei jeder Unpässlichkeit gleich eine Arznei einnimmt. Sie lernen, dass Süßigkeiten bei Unpässlichkeiten trösten. Fakt ist jedoch: Die Placebowirkung ist enorm! Auch in der klassischen Homöopathie natürlich. Und während die süßen Globuli da so schön auf der Zunge zergehen kriegt keiner mehr mit, dass der Schmerz, die Unpässlichkeit auch aus eigener (Lebens)Kraft vorüber gegangen wäre. Arnica wäre erst angezeigt, wenn der Zustand nicht vorüber geht - und auch dann nur vielleicht - es kommen einige andere Arzneien in Frage.

Eine Erfahrung fürs Leben ist doch: Es geht vorbei und wird wieder ... ich schaffe das aus meiner Kraft!

Arnica ist nur ein Beispiel für viele Anwendungen, die Sie in den noch reichhaltigeren Selbsthilfebüchern und frei zugänglich im Internet finden können. Ein Schnupfen geht auch vorüber ... mäßiges Bauchweh auch. Ein bisschen Ruhe, ein gutes Maß liebevoller Pflege zu Hause ...

Trost, stärkender/nährender Beistand, Liebe - das ist Ihre persönliche Medizin.

Unsere Werkzeuge als Homöopathen sind das lange Studium, die Repertorien und die Arznei.

 

Kommt ein Patient in meine Praxis. Bzw. er wird eher in die Praxis hineingeschleift. Es ist ein Kind. Grippaler Infekt. Das Schlimmste ist der Husten. Bei jedem Anfall stehen dem Kind dicke Tränen in den Augen und es hat das Bedürfnis sich die Brust mit beiden Händen unterstützend zu halten. Der Husten ist in der Nacht viel schlimmer als am Tag und lässt das Kind nicht zur Ruhe kommen. Schon bevor das Kind den Husten kommen fühlt, muss es anfangen zu weinen, was den Husten dann zusätzlich quälender macht. Und dennoch sagt es mir es möchte nach Hause und meine Hilfe nicht.

Diesem Kind verschreibe ich - Arnica. Und es wird gut.