Der googelnde Patient

Was Friseure können, können nur Friseure

 

Es gibt kaum einen Patienten heutzutage, der nicht vor der Konsultation im Internet Informationen über sein Leiden eingeholt hat. Ist das konstruktiv?

Meiner Erfahrung nach, offen gestanden, nicht wirklich - aber ich werde auf keinen Fall jemandem dazu raten sich nicht zu informieren.

Es kommt einfach darauf an, wie jemand mit diesen Informationen umgeht. Das Problem ist bekannt, Internet ist ein offenes System und jeder kann etwas veröffentlichen. Also auch jeder Mann und jede Frau etwas über Medizin. Wenn es um mein Terrain, also die klassische Homöopathie geht, sind die frei zugänglichen Informationen enorm, jedoch oft nicht vollständig und stellen Klischees dar um die Darstellung zu vereinfachen und besser komprimierbar zu machen. Da wird bei einer Blasenentzündung dann Cantharis empfohlen,bei Verletzungsfolgen Arnika - oder Belladonna bei Fieber, Menschen die Pulsatilla einnehmen sollten, weinen immer und so weiter und so fort.

Es geht aber noch weiter - da helfen Omega-3-Fettsäuren gegen ADHS oder Kurkuma kann Medikamente wie Cortison, Aspirin, oder Zytostatika (in der Krebstherapie eingesetzt) ersetzen ...

Ich sehe diese Aspekte der Arzneien, aber sie sind nur ein kleiner Teil des Ganzen. Meistens ist es differenzierter und leider auch komplizierter. Wenn es einfach ist, ist Internet gut.

Wenn ein Patient anfangen möchte mit mir über meine Arzneiwahl zu diskutieren, entscheide ich mich, wenn ich meine warten zu können, immer erstmal für den Weg des Patienten. Erstens sind die Selbstheilungskräfte des Menschen enorm und zweitens haben wir dann die Googlemeinung vom Tisch. Meine Arbeit fängt dann an wenn ein Patient mir und meiner Arbeit vertraut.

Wer per Internet vorgehen mag soll das tun. Ich wünsche ihr oder auch ihm, dass Verantwortung für diese Handlungsweise übernommen werden kann und die Grenzen dieses Mediums erkannt werden. Leider funktioniert die Weitergabe bewährter Heil- und Hausmittel innerhalb einer Familie heutzutage nicht mehr so gut und viele fragen lieber, mehr oder weniger anonym, im Netz nach, um dann ein dermaßen vielfältiges Angebot an Information zu erhalten, welches einen verwirrt und unsicher zurück lässt. Dann gibt es die Möglichkeit sich da durch zu probieren und das ist auch durchaus legitim solange niemand ernsthaft versucht seine bösartige Tumorerkrankung allein durch den Verzehr von Brokkoli zu therapieren.

Ein Besuch bei einem Behandler, der oder die sich auskennt, kann da Zeit und Nerven sparen. In meiner Praxis mache ich es immer so: Ich versuche meine Patienten zu lehren, was sie über sich und Ihren Zustand wissen müssen und was sie selber machen können. Dabei kann ich natürlich nur das weiter geben von dem ich weiß, dass es funktioniert und sich bewährt. Am besten noch an eigenem Leib und Seele erfahren - was aber nicht immer geht.

Mit Therapie im Internet stehen Sie allein da und solange das für Sie in Ordnung ist, machen Sie das. Ihre Fragen werden bei einer durchschnittlichen Konsultationsdauer von ca. 10 Minuten und einer Vergütung pro Patient von ca. 30 Euro im Quartal (!) in einer Hausarztpraxis auch nicht wirklich beantwortet werden können. Da bleibt nur die private Medizin, die aber eben auch privat bezahlt werden muss. Ein Versuch mit dem Internet wird da nur allzu verständlich ...

 

Trotzdem

 

Wie hieß es in einer Werbekampagne aus den 1970/80iger Jahren einst so schön:

Was Friseure können, können nur Friseure!

 

In diesem Sinne ...

 

 

Demnächst gibt´s wieder einen Schönheitstipp aus der Speisekammer ...